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Franzosen diskutieren heftig über Gefahren der Mobiltelefonie
Ungewöhnlich heftige Diskussionen über Handygefahren
Mobilfunk: Ungewöhnlich heftige Diskussionen über Handygefahren laufen derzeit in Frankreich: Die Regierung musste einen Runden Tisch mit Experten, Behörden, Betreibern und Benutzern einrichten. Die Unruhe in der Bevölkerung ist nicht zu übersehen. VDI Nachrichten, Paris, 24.07. 09, rb
Ungewöhnlich heftige Diskussionen über Handygefahren bewegten die Regierung, einen Runden Tisch mit Experten, Behörden, Betreibern und Benutzern einzurichten. Das Thema klang zwar harmlos - Frequenz, Gesundheit, Umwelt - aber erste Empfehlungen, die bald in einem Regierungsdekret münden sollen, spiegeln die hitzige Debatte wider.
Etliche Umweltverbände haben den Runden Tisch spontan verlassen: Sie wollten mit Anbietern und Regierungsmitgliedern nicht mehr sprechen. Die Mehrheit der Teilnehmer hatte ein Moratorium beim Ausbau der Empfangs- und Sendeantennen, das die Verbände verlangten, abgelehnt. Auch ein Herunterschrauben des in Frankreich geltenden Feldstärke-Grenzwertes von 61 V/m auf 0,6 V/m als Vorsichtsmaßnahme fand kein Gehör.
Dabei hatten die Verbände auf den geharnischten Protest des Bürgermeisters der Kleinstadt Chateau-Thierry, Jacques Krabach, verwiesen: Der schloss eine Vorschule vorläufig, weil er die 180 Kinder der Schule vor möglichen Gefahren durch Mobilfunkemissionen schützen wollte. Dass andere Kommunen hellhörig wurden, hat besonders die Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot verschreckt.
Krabach weiß selbst sehr gut, dass keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse über eine Gefährdung vorliegen. Verständnis findet er trotzdem, wenn er die Kleinsten vor Strahlungen einer nahe aufgebauten Funkantenne schützen möchte. Der französische Verband für Umwelt- und Arbeitsschutz (AFSS), dem über 1500 Ärzte angehören, greift das umstrittene Thema auf und will im September eine ausführliche Studie vorlegen. Doch in einem pflichten die Forscher dem Bürgermeister bei: Die Gesundheit der ganz jungen Franzosen muss allen Beteiligten am Herzen liegen.
Die Zusammenkunft der hohen Vertreter aus Regierung, Gemeinden, der Herstellerindustrie und aus Umweltorganisationen in Paris hat sich auf zehn Empfehlungen geeinigt. Die spektakulärste ist wohl, in Kindergärten, Vor- und Hauptschulen das Mobiltelefon generell zu verbieten. Bislang liegt es im Ermessensbereich des Schulrektors, ob er den Gebrauch des Handys einschränkt oder verbietet. Besonders unter 12-Jährige seien die erste "Risikogruppe". Werbung, die sich an diesen "Kinderkreis" wendet, soll untersagt werden. Hersteller sollen aufgefordert werden, Geräte für junge Franzosen nur für den SMS-Empfang einzurichten, telefonieren soll mit solchen Handys nicht mehr möglich sein.
Ferner einigte sich der Kreis unter Vorsitz von Ministerin Bachelot und der Technologie-Staatssekretärin Nathalie Kosziuski-Morizet auf die frühzeitige Vorlage eines "Antennen-Bauplans", damit die Bürger besser und frühzeitig unterrichtet werden. Weiter müssten die Anbieter auf "hyper- und elektrosensible Menschen" Rücksicht nehmen. Der Abstand zwischen Hausbewohner und Sendemast soll mindestens 100 m betragen. Freiwillig haben sich einige Städte wie Courbevoie bei Paris, das südwestfranzösische Pau und Grenoble für Modellversuche angeboten: Getestet werden sollen Mobilfunkantennen mit reduzierter Sendeleistung - auch in Siedlungsgebieten wie in den bevölkerungsreichen Banlieues der französischen Millionen-Metropole.
Den Diskussionsteilnehmern kommt es vor allem darauf an, eine "unsichere Lage" zu klären. Umweltschützern war es mit ihrem Einspruch in Frankreich immer wieder gelungen, dass Antennen abgebaut werden mussten. Da weder Anbieter noch Benutzer ihre Gefährlichkeit oder Harmlosigkeit beweisen konnten, hatten die Gerichte eher Vorsicht und Fürsorglichkeit walten lassen. Das soll im Herbst anders werden. Die vom Verband für Umwelt- und Arbeitsschutz (AFSS) in Aussicht gestellte Studie könnte über den Grad der Schädlichkeit möglicherweise eine wissenschaftlich fundierte Antwort geben. L. HERMANN
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